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Perspektiven · Qualitative Forschung

Viele Daten. Aber verstehen Sie Ihre Kunden?

Warum qualitative Marktforschung hilft, aus Kennzahlen bessere Entscheidungen abzuleiten.

WMM · Fachbeitrag ·

Illustration: Kunden und Benutzer geben positives Feedback, in der Mitte ein Händedruck als Symbol für Verständigung

Gute Bewertungen, aber wenige Wiederkäufe. Mehr Website-Besucher, aber kaum zusätzliche Anfragen. Interesse an einem Angebot, zugleich viele Einwände im Vertrieb.

Wer daraus vorschnell auf ein Preis-, Produkt- oder Kommunikationsproblem schließt, riskiert, an der falschen Stelle zu investieren. Qualitative Marktforschung hilft, mögliche Erklärungen zu entwickeln und kritisch zu prüfen.

Eine Kennzahl ist noch keine Erklärung

Asma Qureshi formuliert es bei Quirk’s treffend:

“behavioral data is not the same as behavioral understanding.” [1]

Eine längere Verweildauer kann Interesse bedeuten – oder Schwierigkeiten bei der Nutzung. Die Kennzahl allein entscheidet nicht, welche Erklärung zutrifft.

Ein ähnliches Problem beschreibt Thomas Krombach auf marktforschung.de am Beispiel KI-gestützter Aufmerksamkeitsscreenings: Die Prognose, welche Verpackungselemente auffallen, beantwortet noch nicht, welche Botschaft Menschen verstehen. [2]

Für Unternehmen ergibt sich daraus eine praktische Frage: Was müssen wir zusätzlich erfahren, bevor wir handeln?

Die entscheidende Information liegt oft im Nutzungskontext

Ein illustratives Beispiel: Eine App wird positiv bewertet, aber selten geöffnet. Das Team vermutet Bedienprobleme und plant eine Überarbeitung.

Eine Tagebuchstudie könnte eine andere Erklärung liefern: Der passende Nutzungsanlass tritt selten ein, oder die benötigte Information ist bereits anders verfügbar. Ein anschließendes Interview kann diese Situationen vertiefen. Daraus würden andere Maßnahmen folgen als ein neues Design.

Das Beispiel ist hypothetisch. Es zeigt jedoch, weshalb die Wahl der Methode von der offenen Frage abhängen sollte. Interviews erschließen individuelle Erfahrungen; beobachtete Nutzung kann Bedienhürden sichtbar machen; Tagebücher dokumentieren wiederkehrende Situationen.

Dirk Wieseke von KERNWERT beschreibt den Nutzen auf marktforschung.de so:

„Der Kontext wird nicht nur erläutert, sondern vor allem sichtbar gemacht.“ [3]

Auch qualitative Forschung muss sich hinterfragen

Ein überzeugendes Teilnehmerzitat macht noch keine belastbare Studie. Mark Thorpe fordert bei Research Live, dem Fachmedium der britischen Market Research Society, mehr Kontext und analytische Tiefe in der qualitativen Forschung. [4]

Das betrifft die tägliche Forschungspraxis: Eine gute Auswertung sucht auch nach widersprechenden Fällen. Sie unterscheidet zwischen Beobachtung, Selbstauskunft und Interpretation.

Interviews liefern keine automatischen Kausalbeweise. Eine gezielt zusammengestellte qualitative Stichprobe erlaubt üblicherweise keine statistische Hochrechnung. Auch Erinnerungen und Tagebucheinträge sind selektiv.

Für Auftraggeber bedeutet das: Lassen Sie sich zeigen, worauf eine Empfehlung beruht – und welche Unsicherheit bestehen bleibt.

Drei Fragen vor der nächsten Studie

Welche Entscheidung steht an? Ein Forschungsauftrag sollte benennen, was anschließend entschieden werden muss. Davon hängt ab, welche Erkenntnisse relevant sind.

Wessen Erfahrungen brauchen wir? Eine Berufsbezeichnung allein genügt beispielsweise in B2B-Studien selten. Nutzer, Einkäufer und Budgetverantwortliche können dasselbe Angebot unterschiedlich beurteilen. Die Rekrutierung muss zur Fragestellung passen.

Wie prüfen wir die Konsequenz? Eine erkannte Barriere kann eine konkrete Verbesserung nahelegen. Ob diese tatsächlich wirkt, lässt sich je nach Fragestellung mit einem Pilot, einem Experiment oder einer quantitativen Anschlussstudie untersuchen.

Nicht jedes Problem benötigt alle Methoden. Der nächste Schritt sollte eine klar benannte Unsicherheit reduzieren.

Unser Anspruch bei WMM

Qualitative Forschung ist besonders wertvoll, wenn Unternehmen eine Veränderung sehen, deren Bedeutung aber noch nicht ausreichend verstehen.

Unser Anspruch bei WMM ist, die Forschungsfrage, die passenden Teilnehmenden und eine nachvollziehbare Auswertung zusammenzubringen. Ein gutes Ergebnis zeigt, was die Daten stützen, welche Erklärung offenbleibt und welcher nächste Schritt sinnvoll ist.

Quellen

Die verlinkten Beiträge sind fachliche Einordnungen, keine unabhängigen Wirksamkeitsnachweise. Die Empfehlungen im Text sind unsere methodische Schlussfolgerung.

  1. Asma Qureshi, Quirk’s, 01.10.2026: Why behavioral data needs behavioral understanding.
  2. Thomas Krombach, marktforschung.de, 01.10.2026: Gesehen heißt noch nicht verstanden – viele Daten helfen nicht automatisch viel.
  3. Dirk Wieseke, marktforschung.de, 20.01.2026: Weniger Hype, mehr Nutzen. Experteninterview aus Anbieterperspektive.
  4. Mark Thorpe, Research Live / MRS, 14.04.2026: We need to build a qualitative renaissance. Meinungsbeitrag, keine offizielle MRS-Richtlinie.

Quellen geprüft am 10.10.2026.

Mitgliedschaften / Auszeichnungen

  • ESOMAR Individual Member 2026
  • BVM — Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforscher
  • Handelskammer Hamburg
  • Marketing Club Hamburg
  • DesignRush — Top Market Research Agency
  • Clutch — Top B2B Company
  • MRS — Evidence Matters
  • AQR — Association for Qualitative Research
  • Top Business Consultants
  • Quirk's Top Company